Gedenkstunde Brandanschlag
17.12.2011
So voll war der neue Saal im evangelischen Gemeindezentrum noch nie. Bei der offiziellen Gedenkstunde der Stadt Schwandorf an die türkischen und deutschen Opfer eines Neonazi-Brandanschlags vor 23 Jahren war der Andrang so groß, das die Plätze nicht ausreichten und zahlreiche Teilnehmer vor dem Saal stehen mussten.
Der Schwandorfer Anschlag kurz vor der deutschen Wiedervereinigung war der erste einer Reihe von mörderischen Übergriffen Rechtsradikaler in Deutschland, „denen bislang weitaus mehr Menschen zum Opfer gefallen sind als durch die linksextreme RAF“, sagte der Historiker Dr. Andreas Angerstorfer in seiner Ansprache. Eine besondere Dramatik bekam die Zusammenkunft durch die kürzlich aufgedeckte Mordserie eines Neonazi-Trios.
Daran erinnerte nicht nur der Schwandorfer Oberbürgermeister Helmut Hey in seiner Rede, sondern auch die türkische Generalkonsulin Ece Öztürk Cil, die von Nürnberg nach Schwandorf gekommen war, um an der Gedenkstunde teilzunehmen. In ihrer Begleitung befand sich der türkische Attaché für Religionsangelegenheiten Dr. Cafer Acar. Auch er wandte sich an die vielen deutsch- und türkischstämmigen Schwandorfer, die dem Aufruf zur Gedenkstunde gefolgt waren.
Als Gastgeber freute sich Pfarrer Arne Langbein besonders, dass auch eine Hinterbliebene der damals getöteten, türkischen Familie Can zu der Veranstaltung gekommen war. Ihre Tochter Aysu trug später ein Gedicht vor. Die Übersetzung der Beiträge nahm Ferdi Eraslan vor – er ist der erste türkisch-stämmige Schwandorfer im Stadtrat. Auch seine Familie war von dem Brandanschlag betroffen.
Nach einem christlich-ökumenischen Friedensgebet und einem Gebet des Imams der türkisch-islamischen Kulturgemeinde wurden an einer Erinnerungstafel Blumen niedergelegt. Sie ist am Neubau jenes Hauses befestigt, das vor 23 Jahren lichterloh gebrannt hat.